1970 brachte wieder ein kleines Jubiläum. 110 Jahre gibt es die Sanssouci, begrüßt beim Frühlingsfest am 9. Mai von alten Freunden, der „Lyra“ aus Warendorf. Zum Tanz spielte Harald Banter mit seiner Show-Kapelle bis in den frühen Morgen.

 

Das Reisen ist der Sänger Lust: Wer erinnert sich nicht an Wien, die Donau, den Prater, das Konzert in Baden bei Wien und – natürlich -an den Heurigen. Eine Woche vor dem Schubert-Konzert am 8. November 1970 standen wir plötzlich vor der Frage: Absagen oder nicht? Unser Dirigent Knauer war erkrankt. Glücklicherweise sprang Kapellmeister Haenisch von den Städtischen Bühnen Essen ein. Er hatte schon einmal unseren Dirigenten bei der Probe vertreten. Der Konzert-Abend war gerettet, er wurde auch ein voller Erfolg. Zwei Wochen später beim Herbstkonzert war Herr Knauer wieder auf seinem Posten und dirigierte die erstmals einheitlich gekleideten Sanssoucianer.

 

Eine Wachablösung gab es bei den Sanssouci-Nachrichten. Der langjährige Schriftleiter Max Scholz war plötzlich verstorben. Louis Eucken betreute nun die Sanssouci-Nachrichten. Und wieder stand ein Dirigentenwechsel bevor. Kapellmeister Hans-Jürgen Knauer musste aus beruflichen Gründen zum Jahresende 1970 sein Amt niederlegen. Der 38jährige Chor-Orchesterdirigent und Organist-Pianist Hans Dirkes wurde sein Nachfolger. Drei Konzerte in der Gruga bewiesen den neuen Elan.


Hans Dirkes, Chorleiter 1971-2004


„Restlos begeistert“ zeigten sich einige Sänger von der Idee des Sangesfreund Peter Knorr: “Schulische Grundausbildung im Gesang“ (Stimmbildung) bei der Gesangpädagogin Olga Frenzen. Das war 1972. Doch wie lange hielt die Begeisterung an? Nicht Begeisterung, aber Notwendigkeit zeichnete die Anhebung des Beitrages von 18 auf 24 DM. Fast alles hat sich verteuert, und so gab es auch nur wenige Gegenstimmen.

 

Besuch bei unseren europäischen Nachbarn, im September 1973 weckte Antwerpen in Belgien unser Interesse. Besuch von unseren Freunden aus Finnland erhielten wir im Juni 1974. 50 Sänger des Chores „Pirkanmiehet“ aus Tampere sangen mit uns in einem großen Gemeinschaftskonzert im Saalbau. Singen verbindet - und so reist die Sanssouci ein Jahr später zu diesen Freunden nach Finnland. Fazit: Viel gesungen, viel gesehen, viel erlebt auf der längsten und weitesten Reise, die  Sanssouci in ihrer nun 115jährigen Vereinsgeschichte unternommen hat.

Auftritt im Finnischen Fernsehen


Doch nicht nur feiern, auch helfen wollen wir Sänger. Zu Gunsten behinderter Kinder in Essen veranstaltete die Sanssouci am 19. Oktober 1974 den „Tanz unter dem Erntekranz“ mit den Kreßbronner Dorfmusikanten.

 

 


Karlheinz Kuhs, Vorsitzender 1976-1992


Kommandowechsel an der Spitze: Der 1. Vorsitzende Dr. Rudolf Barth übergibt am 18. Juni 1975 sein Amt an den einstimmig gewählten Essener Bürgermeister Karlheinz Kuhs. Höhepunkt des Jahres: Das Herbstfest mit dem Berliner Polizeikorps. „Im Saalbau war Musike“ mit Bully Buhlan und seinen „ollen Kamellen“. Aufgezeichnet wurde die Veranstaltung, deren Reinerlös diesmal für behinderte Berliner Kinder bestimmt war, für den Hörfunk des WDR und wurde am 1. Advent ausgestrahlt. Das Orchester „Philharmonia Hungarica begleitete unseren Chor beim großen Konzert am

2. November mit dem Kernstück „Rinaldo“ von Johannes Brahms. Den Solopart sang der Tenor Heinz Hoppe.

Ewald von Oepen wird am 24.01.1976 Ehrenvorsitzender und erhält aus der Hand des Vorsitzenden Kuhs die Verdienstmedaille des Bundesverdienstordens. Der verdiente Altsänger war seit 1921 Vereinsmitglied und mehr als 25 Jahre in verschiedenen Vorstandsfunktionen, davon 10 Jahre als 2. Vorsitzender, tätig.

 

Nach mehreren Schallplattenaufnahmen waren wir auch wieder im Rundfunk zu hören. Am 2. Februar 1976 fuhren wir nach Köln zum WDR zu einer Bandaufnahme des Zyklus in vier Sätzen von Haus „Ein vergnügliches Leben“. Im Juli im 3. Programm konnten sich Freunde des Chorgesangs von unserer Arbeit überzeugen. 16 Sanssoucisänger betraten als “Meistersinger“ die Bretter, die angeblich die Welt bedeuten. Zur Verstärkung des Essener Opernchores wirkten sie in der Spielzeit 1975/76 bei acht Aufführungen der Wagner-Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ mit.

 

Südamerika zu Gast in Essen konnten wir am 18. September 1976 vermelden. Die Folkloregruppe „Los Muchachos“ sorgte für Begeisterung auf unserem Herbstfest. Und das russische Balaleikaensemble „Wolga“ stand in nichts nach. Und noch ein wichtiges Datum: Am 12. November 1976 wurde der große Sängeranzug vorgestellt.

Zum zweiten Male unterstützten uns die „Kreßbronner Dorfmusikanten“. Auch eine Abordnung des finnischen Chores „Pirkanmiehet“ war erschienen, einige Damen gar in Landestracht. Gemeint ist das Herbstkonzert am 1. Oktober 1977, das unser Dirigent Hans Dirkes erstmals als Kreischorleiter leitete. Der Vorstand des Sängerkreises Essen hatte ihn dazu ernannt.

Ein Wiedersehen in Tampere beim Pirkanmiehet-Chor, der uns schon zu seinem 30jährigen Bestehen 1976 eingeladen hatte, gab es vom 2. bis 9. Juni 1979. Die herzliche Gastfreundschaft der Finnen, die Unendlichkeit der Wälder und Seen und die Weite des Himmels mischten sich zu einem Erlebnis von ganz besonderer Intensität.

 

Jede Jahreszeit bringt ihren Höhepunkt. Zum zweitenmal eroberten die Sanssouci-Narren 1978 den Blumenhof in der Gruga. Dass Sänger trinkfest sind, bewahrheitete sich wieder einmal. Der Herbst gehört einem wichtigen Ereignis, dem alljährlichen Konzert im Saalbau. Evergreens, die im Gegensatz zur Natur im Herbst nicht welken, bildeten das Programm am 22. Oktober 1979. Mit dabei das Essener Polizeimusik-Korps. Erste Gehversuche machte unser erst vor vier Monaten gegründete Jugendmusikkreis.

 

Getreu unserer Tradition sollte das Konzert zum 120jährigen Jubiläum etwas besonderes bringen. Verstärkt durch den Aral-Chor aus Bochum sangen wir u.a. die Rinaldo-Kantate von Johannes Brahms nach dem Goethe-Gedicht vom Kreuzritter Rinaldo, der in die Fänge einer Zauberin gerät und erst durch Drängen seiner Gefährten auf den rechten Weg zurückgebracht werden konnte. Bestechend die Rinaldo-Partie durch den Italiener Ruggero Orofino.

Das „Wunschkonzert bei Sanssouci“ am 24. Okober 1981 brachte eine breite Palette von der „Musica sacra bis zum Schlager Medlay“. Für jeden war etwas dabei und für viele alles. So war es auch am 30. Oktober 1982. „Heiteres aus Oper und Operette“ mit Annemarie Steffens als Solistin fand viel Beifall, wie auch fast ein Jahr später am 24. September der Abend mit dem Monasteria Quartett aus Münster.

 

Das Herbstkonzert 1983, zwei Chöre ein Konzert, dazu ein grandioser Solist. Zwei Chöre, 137 Sänger, das waren der Männergesangverein Cäcilia und wir, „Sanssouci“ und der Solist Karl Ridderbusch. „Zwei Chöre verschmolzen zur Einheit“ schrieb die Presse und wer wird das „Jerusalem“ vergessen, das Fritz Ihlau eigens für Karl Ridderbusch geschrieben hat?

Doch bei soviel Gesang kam auch das Reisen in all den Jahren nicht zu kurz. Wir besuchten den Harz, erlebten den goldenen Herbst in Bad Sooden-Allendorf, fuhren nach Bregenz und schlossen Freundschaft, besonders mit Walter Sutter, reisten in den Pfälzer Wald, nach Nekargemünd, in die zweite Heimat unseres 1. Vorsitzenden Karlheinz Kuhs, und nach Bad Kissingen. Wehmut und Trauer erfüllte uns alle bei dem Gedanken: an allen Konzerten, an allen Reisen wirkte maßgeblich Herbert Umbach mit. Am 20. Juli 1985 erlag er einer tückischen Krankheit.

 

Eindrucksvoll waren die beiden Kirchenkonzerte, das Weihnachts-konzert am 16. Dezember 1984, gemeinsam mit dem Kirchenchor St. Josef in Kupferdreh mit Orgelbegleitung und Trompeten- und Flötensoli, und der Abend in der Werdener Abtei-Kirche St. Ludgerus am 30. Januar 1985.

 

Große Ereignisse und Herausforderungen brachte das Jubiläumsjahr 1985 zum 125 jährigen Bestehen des Chores. Mit einem Kirchenkonzert am 30. Januar in der Abteikirche St. Ludgerus in Werden begannen die Jubiläumsfeierlichkeiten.

Eine Ausstellung der Stadt Tampere/Finnland im Rathaus, wurde von unseren Freunden dem Männerchor Pirkanmiehet aus Tampere, der eine Woche bei uns zu Besuch weilte, und dem EMC Sanssouci  am 10. Mai musikalisch begleitet.

Beim Festakt am 11. Mai im Kammermusiksaal im Saalbau waren die Festredner: Oberbürgermeister der Stadt Essen, Peter Reuschenbach und der Bundeschorleiter (DSB) Professor Hermannjosef Rübben.

Schirmherr, der Bundespräsident a.D., Walter Scheel sandte ein Grußwort. Sein Kommen musste er aus persönlichen Gründen kurzfristig absagen.

Der Jubiläumsball, am 11. Mai, im „Großen Saal“ des Saalbaus fand unter der Mitwirkung des Polizeimusikkorps Essen, des Männerchor Pirkanmiehet und den Sängerfreunden aus Warendorf, der Männergesangverein „Lyra Warendorf“, statt.

Die große Sängerreise brachte die Sänger nach Ungarn mit Besuchen in Salzburg, Wien, Budapest, Györ und München.


1985 Jubiläumskonzert im Saalbau


D
as Jubiläumskonzert, eine Opern-Gala mit dem Tenor Giorgio Aristo am 6. Oktober, war ein großer Erfolg. Die WAZ schrieb: Nicht nur der Solist des Abends, auch die Sänger der “Sanssouci“ und ihr Dirigent Hans Dirkes wurden lebhaft gefeiert. Von ihnen hörte man Chöre aus Opern von Wagner, Verdi, Bizet und Beethoven. Bei den Wiedergaben setzte man die strahlkräftigen Tenöre und die dunklen Bässe des Chores durch mannigfache Klangabstufungen wirkungs-voll ein.

Das Jubiläumsjahr 1985 war ein weiterer Glanzpunkt im Vereinsleben der „Sanssouci“.

 

Nach einem Jubiläum müssen alle Aktiven neu motiviert werden. Dies gelang der musikalischen - sowie der organisatorischen Leitung. Das Herbst-Konzert 1986 mit dem Titel „Singendes, Klingendes Wien“ und das Konzert 1987, mitgestaltet vom MGV Cäcilia Essen-Kupferdreh und den Schaumburger Märchensängern, mit einem reinen A-capella Programm, wurden von den Zuhören und der Presse begeistert aufgenommen.

Freundschaften muss man pflegen, die Sängerreise 1986 war dazu geeignet. Der MGV „Lyra“ Warendorf hatte geladen, der Chor folgte dem Ruf gerne. 1987 wurde eine 4-Tagesreise in den Allgäu zu einem Erlebnis für alle Sänger.

Im Alter von 80 Jahren verstarb Dr. Rudolf Barth am 11. Oktober in Pottenheim/Franken. Von 1966 bis 1975 war er Vorsitzender des Vereins. In dieser Tätigkeit hat er sich bleibende Verdienste um die Sanssouci erworben.

Am 7. November ging Ewald von Oepen im Alter von 82 Jahren für immer von uns. Er gehörte dem Chor 65 Jahre als Mitglied an. Von 1950 bis 1976 war er im Vorstand in verschiedenen Funktionen tätig, allein 12 Jahre als 2. Vorsitzender.

 

„Die gold´nen 20er“ war der Titel des Konzerts 1988 im Essener Saalbau. Im Jahresbericht ist vermerkt: Herrn Dirkes gelang es mal wieder, trotz mäßiger Chorprobenbeteiligung, das Konzert zu einer guten Gesamtleistung zu bringen. Zum Kartenverkauf: Da alle Sänger den Ernst der Lage kannten, war jeder Sänger bemüht Karten zu verkaufen. Zu freudigen Überraschung aller war der Saalbau gefüllt.

Am 30. Januar 1989 verstarb Qurin Rische im Alter von 85 Jahren. Er leitete den Chor von 1947 bis 1966. Viele große Werke der Männerchorliteratur wurden unter seiner Leitung aufgeführt.

Die „Sanssouci“, der Essener Frauenchor und die Folklore-Tanzgruppe der Folkwang-Hochschule brachten am 12. November 1989 musikalisch wie tänzerisch unter dem Titel „Tänzerische Chormusik“  Volksweisen und Tänze aus dem tschechoslowakischen, ungarischen, polnischen, dalmatinischen und spanischen Raum einem begeistertem  Publikum nahe. Die WAZ schrieb: „Folklore für Auge und Ohr“. „Was den Ohren an diesem Abend geboten wurde, blieb indes den Augen nicht vorenthalten. Es gab viel Beifall für alle, die sangen und tanzten.

 

Am 30. Januar 1989 verstarb Qurin Rische im Alter von 85 Jahren. Er leitete den Chor von 1947 bis 1966. Viele große Werke der Männerchorliteratur wurden unter seiner Leitung aufgeführt.

 

Die „Sanssouci“, der Essener Frauenchor und die Folklore-Tanzgruppe der Folkwang-Hochschule brachten am 12. November 1989 musikalisch wie tänzerisch unter dem Titel „Tänzerische Chormusik“  Volksweisen und Tänze aus dem tschechoslowakischen, ungarischen, polnischen, dalmatinischen und spanischen Raum einem begeistertem  Publikum nahe. Die WAZ schrieb: „Folklore für Auge und Ohr“. „Was den Ohren an diesem Abend geboten wurde, blieb indes den Augen nicht vorenthalten. Es gab viel Beifall für alle, die sangen und tanzten“.

 

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