Am 03. Februar 1951, Sanssouci“ feiert das Kostümfest erstmalig im neuen Saalbau in allen verfügbaren Räumen.

Die „Sanssouci“ muß am 23. Februar 1953 ihr Karnevalsfest, das sie seit über vierzig Jahren am Fastnacht-Samstag im Saalbau alleine abhielt, mit einem anderen Essener Verein feiern. Nach der Entscheidung der Stadtverwaltung Essen gestalten von jetzt ab in Zukunft jährlich abwechselnd mit der Sanssouci der Essener Karnevalsverein, Karnevalsgesellschaft Fidelio, Männergesangverein Sängerbund 1884 und der Essener Männergesangverein gemeinsam den Karnevalsamstag im Saalbau.

 

Am 9. Juli 1954 trat dann wegen starker geschäftlicher Inanspruchnahme Dr. E. A. Schröder von seinem Amt als 1. Vorsitzender zurück. Doch seine Bindung zur Sanssouci, die schon von seinem Vater herrührte, blieb bis zu seinem Tode bestehen, mehr als 40 Jahre lang.

 

Für den Vorstand war es schwer, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Zwar war der mit alten Kämpen besetzte Vorstand durchaus in der Lage, auch ohne „Kommando“ das Vereinsschiff zu steuern.

Doch ein Vereinsgebilde von der Größe und Bedeutung der Sanssouci benötigt eben doch eine Spitze, die Chor und Verein auch nach außen repräsentiert. In Paul Jaeger, Bürgermeister der Stadt Essen, fand die Sanssouci diesen Mann, der freudig bereit war, trotz seiner 70 Jahre den Vorsitz zu übernehmen.

Alle hatten das Gefühl, dass bei der vom neuen Vorsitzenden gezeigten Vitalität wir noch viele Jahre gemeinsam am Auf- und Ausbau der Sanssouci hätten arbeiten können. Um so mehr traf uns die Nachricht von seiner ernsthaften Erkrankung und tief erschüttert hörte der Chor die Nachricht von seinem Tode am 30.April 1958. In der Totenfeier am 3. Mai, in der Kapelle des Südwestfriedhofes, nahm der Chor Abschied von seinem väterlichen Freund und 1. Vorsitzenden Paul Jäger.

Es gelang in verhältnismäßig kurzer Zeit, einen Nachfolger für das verwaiste Amt zu finden. Rechtsanwalt und Notar Dr. Anton Pauly hatte sich dazu bereiterklärt. Die außerordentliche Mitgliederversammlung vom 10. April 1959 wählte Dr. Pauly, der auch als Bürgermeister der Stadt Essen Amtsnachfolger für Paul Jaeger geworden war, einstimmig zum 1.Vorsitzenden der Sanssouci.


Dr. Anton Pauly, Vorsitzender 1959-1965

 

Dr. Pauly kam in sein Amt zu der Zeit, als die Planungen für das hundertjährige Jubiläum der Sanssouci schon begonnen hatten. Er fand ein reiches Arbeitsfeld vor, für dessen Bewältigung ihm ein in langjähriger Arbeit geschulter Vorstand zur Seite stand.


Die Zelter-Plakette, verliehen zum 100jährigem Jubiläum durch den DSB

 

Als dann der Chor im Jahre 1960 sein hundertjähriges Bestehen feiern konnte, zählte die Sanssouci 173 aktive und eine ungeahnte große Zahl fördernder Mitglieder. Schon zu dieser Zeit wurden heiße Diskussionen über das Thema Überalterung und Einstellung der jungen Sänger zum Chor geführt. Die nur an Jahren alten Sänger sind mit ihrer Erfahrung und ihrem Können das Rückgrad des Vereins. Sie können den Jüngeren heute wie damals ein Vorbild sein.


1960 Der Chor im 100. Jubeljahr


Die einzige Ausgabe der Vereinsnachrichten 1961 berichtete über Mitwirkung unseres Chores an der Feier zum 17. Juni der Stadtverwaltung Essen und über das Konzert am 5. November im Saalbau, bei dem der Bariton Ludwig Druschel aus Hagen und der Kinder- und Mädchenjugendchor der Volkshochschule Bottrop mitwirkten. Nach über einem Jahr Pause erschien die nächste Ausgabe der Vereinsnachrichten erst wieder im Jahre 1963.

Die Filme „100 Jahre Sanssouci“ und der Film vom 15. Deutschen Sängerfest, das im Juli 1962 in Essen stattgefunden hat, konnten in der Probe am 1. Februar 1963 gezeigt werden.

 

„Europäische Volksmusik gespielt-getanzt-gesungen“, das war der Titel des Konzertes am 31. März 1963 im großen Saal des Städtischen Saalbaus. Das größte Ereignis des Jahres 1963 aber war wohl der 60. Geburtstag unseres Chorleiters Quirin Rische. Am Vorabend seines Geburtstages traten wir zur großen Gratulationscour in Drevenack bei Hünxe an, um gemeinsam mit anderen Rische-Chören ein Ständchen zu bringen und um unseren langjährigen Dirigenten zu ehren. Eine große Anerkennung wurde dem Jubilar im selben Jahr in Duisburg zuteil, wo er vom Oberbürgermeister Seeling mit der Mecator-Plakette ausgezeichnet wurde.

 

Das „Berlin eine Reise wert“ ist, erlebten 80 Sänger im September 1963. Nach den beklemmenden Kontrollen an der Grenze, die viele zum ersten Mal erlebten, legte sich das bedrückte Schweigen jedoch schnell, als die Avus erreicht war. Die Stadtrundfahrt wurde zum Erlebnis, getrübt nur durch die Eindrücke an der Mauer. Zum Konzert im Zoo fand sich eine große Zuhörerzahl ein, begeistert von den Vorträgen der Sanssoucianer. Die Stunden im alten fürstlichen Blockhaus Nikolskoe auf einer Insel der Havelseen ist sicher vielen auch heute noch in Erinnerung. In der milden Spätsommernacht war der Gesang sicher am anderen Ufer des Sees, schon Ost-Berlin, zu hören.

Zum zweitenmal zum Vortrag, nach dem Jubiläumskonzert zur Einhundertjahrfeier, kam beim Festkonzert am 3. November 1963 die Kantate „Sanssouci“ von Qurin Rische, zu der Sangesfreund Heinrich Schmidt den Text geschrieben hatte.

 

Etwas muss schon daran sein, dass Sänger länger leben. Das bewies Peter Conrads, der am 7. März 1964 90 Jahre alt wurde; und die Beständigkeit und Treue zum Gesang zeichnete Alfred Müller aus, der damals zwar 65 Jahre alt wurde, aber sein Amt als 1. Kassierer 22 Jahre inne hatte.

 

Alljährliche Sängerfahrten gehörten zur Tradition, fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl und haben so mache Freundschaft entstehen lassen. Die Verbundenheit zwischen den Menschen an der Ruhr und Saar unterstrich die „Saarbrücker Zeitung“ in ihrer Ausgabe vom 13.09.1965. Gemeint war die Sängerfahrt nach St. Wendel, wo das heimische Orchester mit seinem Namen „Harmonie“ Symbolcharakter hatte.


Dr. Rudolf Barth, Vorsitzender 1966-1974


Eine Zeit der Wachablösungen brachte das Jahr 1966. Nach sieben Jahren legte der 1.Vorsitzende Dr. Anton Pauly aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder. Die Nachfolge trat Dr. jur. Rudolf Barth an, bereits passives Mitglied. Zum Jahresende erreichte uns dann die Nachricht vom Tode Dr.Anton Paulys am 26. Dezember. Auch nach seinem Ausscheiden war Dr.Pauly der Sanssouci eng verbunden geblieben.

Seit 1947 leitet nun unser Dirigent erfolgreich die Sanssouci. Zwei Monate vor dem großen Opern- und Operetten-Konzert am 6. November 1966 musste Qurin Rische aus gesund heitlichen Gründen nach fast 20 Jahren ausscheiden. Ein Schock für alle Beteiligten. Doch Josef Krepela, Kapellmeister der Städtischen Bühnen in Essen, konnte kurzfristig gewonnen werden und feilte uns und unser Programm bis zur konzertreifen Leistung. Mit seiner reichen Erfahrung verstand es Josef Krepela, die Sänger mitzureißen. Der anhaltende Beifall am 6. November war der verdiente Lohn. Leider konnte Herr Krepela aus Zeitgründen unseren Chor nicht weiter leiten. Die Herren Knauer, Dirkes und Penteck wurden daher zum Probedirigieren eingeladen. Auf der Jahreshauptversammlung am 22. Januar 1967 sollte über die Nachfolge entschieden werden. Und da wurde Hans –Jürgen Knauer gewählt, der am 10. Februar seine erste Probe abhielt.


H.J. Knauer, Chorleiter 1967-1970


Da der Mai bekanntlich „alles neu“ macht, stellte der Chor auf seinem Frühlingsfest am 6. Mai den neuen Dirigenten vor. Prominenter Solist dieses Konzertes war Karl Ridderbusch, Baß-Bariton damals an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf.

 

Und wenn es dem Sänger zu wohl wird, begibt er sich aufs Wasser. Zuerst auf dem Landweg nach Hamburg- wie auch sonst. Die Sänger genossen das Flair einer echten Großstadt und ließen ihre Lieder in „Planten und Blomen“ erschallen. Dann ging es- bei ruhiger See- nach Helgoland. Das große Konzert des Jahres 1967 stand unter dem Motto „ So singen und tanzen die Völker der Welt“ und dokumentierte die Aufgeschlossenheit unseres Chores.

 

Auch andere Chöre pflegen die Tradition und können auf 100 Jahre Chorgesang zurückblicken. Grund genug für uns, 1968 zum Männergesangverein „Lyra“ nach Warendorf zu reisen. Im wahrsten Sinne sind aller guten Dinge drei, denn schon zweimal-1950 und 1958- waren wir dort zu Gast. Und noch etwas ging in die Annalen der Vereinsgeschichte ein: 119 aktive Sänger wurden 1968 registriert. Doch auch damals lautet die Frage wie heute: Und wie viel erscheinen zur Probe?

Copyright © 2015 Essener Männerchor Post Sanssouci.
Alle Rechte vorbehalten.