Als dann im Spätherbst 1945 die Besatzungsmacht das Vereinsverbot aufhob, war auch für die ehemaligen Sanssouci-Mitglieder der Weg wieder frei. So konnte dann als „Tag der Wiedergeburt der Sanssouci“ der 13. Dezember 1945 in die Vereinsgeschichte eingehen.

 

Da trafen sich im Wandelgang des zerstörten Saalbaus, der vom Saalbauwirt Theodor Martens provisorisch als Gaststätte eingerichtet worden war, als erste Gäste etwa 30 Sänger, um die Sanssouci wieder aufleben zu lassen. Die Freude, wieder zusammenkommen zu können, war übergroß.


1949 Schutträumdienst am Saalbau

 

In Dankbarkeit gehen unsere Gedanken zurück zu dem, der damals mit 77 Jahren freiwillig den Vorsitz über den Verein übernahm, zu August Weier. In Anerkennung seiner Verdienste um die Sanssouci, 41 Jahre als zweiter Vorsitzender vor dem Zweiten Weltkrieg und für seine Arbeit am Wiederaufbau, ernannte ihn die Jahreshauptversammlung am 28. April 1950 zum Ehrenvorsitzenden. Damals wurde Dr. Ernst August Schröder der neue erste Vorsitzende.


Dr. E.A. Schröder, Vorsitzender 1950-1954


Ein Weggenosse August Weier ist Clemens Bodenbach. Mitglied seit 1912, davon viele Jahre im Vorstand, machte er als zweiter Vorsitzender seit 1946 die Sorge um den Aufbau von Chor und Verein zu seiner eigenen Sache. Die Sanssouci hat diesem Idealisten unendlichen Dank zu sagen. Am 26. Februar 1956 wurde er in der Jahreshauptversammlung in Würdigung seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Doch zurück zu dem Tage, als der Chor wieder erstand. Zu den 30 Wiederbegründern der Sanssouci kamen von Mal zu Mal neue „alte“ Mitglieder hinzu. Chorleiter Hans-Dieter Kindler, bisher nur der „Kriegsdirigent“, war sofort wieder bei der Sache. Zunächst wurde beim Wirt Arnolds in der Rüttenscheider Str. geprobt, später in der Saalbauruine. Viel war an Noten noch nicht zu beschaffen – aber, ganz gleich, es wurde erst einmal wieder gesungen.

 

Jetzt, wo sich Chor und Dirigent wieder aufeinander einstellen konnten, kam für Hans-Dieter Kindler am 30. Juni 1946 die Berufung an das Lübecker Theater. Mit dem Nachfolger, Alfred Eichmann, ebenfalls Kapellmeister am Essener Theater, konnte der Chor nur einige Proben zusammen arbeiten. Die starke berufliche Inanspruchnahme der um ihre Existenz ringende Städtischen Bühnen verhinderte Alfred Eichmanns nötiges Engagement für den Chor. So erklärte sich Ludwig Hungerberg, der seit 1930 unter Hermann Meißner zweiter Chorleiter der Sanssouci war, bereit, den Chor so lange zu führen, bis ein geeigneter Dirigent gefunden sei. Am 4. Juli 1947 hielt dann der neugewonnene Chorleiter Quirin Rische aus Duisburg seine erste Probe mit dem Sanssouci-Chor ab.


Quirin Rische bei der Probenarbeit, Chorleiter 1947-1966


In den folgenden fast 20 Jahren haben Chor und Dirigent manchen schönen und großen Erfolg auf dem Konzertpodium erringen können.

Dank der Unterstützung durch über 700 passive Mitglieder war der Chor in der Lage, auch Konzerte größeren Umfangs aufzuführen. Mit dem anlässlich des 90jährigen Bestehens eigens für dieses Jubiläumskonzert gebildeten Frauenchor, der anschließend als selbstständiger Chor unter Quirin Risches Leitung fort bestand, aber in enger Verbindung zur Sanssouci blieb, konnten Chorwerke für Männer – und Frauenchor aufgeführt werden. Das war kaum einem anderen Essener Männerchor möglich.

 

Für die noch aus der Vorkriegszeit in bester Erinnerung gewesenen Damen-Kappen sitzungen meldeten sich recht bald wieder verlangende Stimmen. Und als die Raummöglichkeiten im Saalbau es eben wieder erlaubten, war Sangesbruder Paul Lenz, damaliger Vergnügungsleiter, wieder am Werk. 15. Februar 1947, erstmalig nach dem Kriege wieder eine Karnevalsveranstaltung, die trotz „Heißgetränk", einem undefinierbarem Gesöff, und allen Sorgen der damaligen Zeit, ein Abend bei „Sanssouci" war.

Am 28. Januar 1948 hielt er mit seinem Elferrat und etwa 400 begeisterten Sanssoucifrauen die erste Damenkappensitzung ab. In den folgenden Jahren wurden daraus allgemeine Kappensitzungen als öffentliche Veranstaltungen. Aber diese Groß veranstaltungen, von denen gelegentlich sogar zwei an einem Tage anfielen, (nachmittags und abends), hatten nicht mehr die Urgemütlichkeit von einst aufzuweisen. Bei den vor dem Kriege gewesenen Damen-Kappen - sitzungen im alten Kammermusiksaal zeigten unsere Sanssoucifrauen bei Kaffee und Kuchen eine Stimmung, die nicht mehr zu überbieten war.

Am 26.Februar 1949 findet wieder ein „Kostümfest" in allen verfügbaren Räumen des städtischen Saalbaus (noch die ausgebaute Ruine) statt.


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