So rüstete sich die „Sanssouci“ 1920 für das 60. Jubelfest, das in Verbindung mit dem 25.Rheinischen Sängerbundfest begangen wurde. Schutzherr war der Oberpräsident der Rheinprovinz, Exzellenz von Groote, Vorsitzender des Ehrenausschusses Essens damaliger Oberbürgermeister Dr.Hans Luther. Die Vereinsleitung hatte Kommerzienrat Wilhelm Beermann, ein Sängervater reinster Prägung. Die musikalische Leitung lag in den Händen von Musikdirektor Matthias Müller und


Matthias Müller Chorleiter 1910-1923                   Ferdinand Drost Chorleiter 1920-1923

 Ferdinand Drost, 1. Kapellmeister am Essener Stadttheater. Wilhelm Ruoff und Johann Surmann erlebten diese Tage mit besonderem Stolz, sie waren schon bei der Gründung 1860 dabei.

972 Mitglieder hatte die Sanssouci im Jubiläumsjahr 1920 davon im Chor 235 Sänger.


Der Chor 1920

 

 

Auf über 2000 wuchs die Mitgliederzahl in den folgenden Jahren an. Mit einem so starken Chor ließen sich auch große Orchesterkonzerte durchführen, die in der damaligen Zeit jedes mal ein großes Ereignis darstellten. Wir erinnern u.a. „Das Lied des Glöckners“ von Hugo Kaun, „Das Meer“ von Jean Nicodè und „Das Liebesmahl der Aposteln“ von Richard Wagner. Diese Konzerte standen unter der Leitung von Kapellmeister Ferdinand Drost. Er leitete auch die Konzerte auf den Sängerfahrten nach Hannover/Hildesheim und Frankfurt/Heidelberg in den Jahren 1921 und 1922. Zu diesen Sängerfahrten ist auch die erfolgreiche Konzertreise nach Hamburg / Bremen/ Magdeburg 1923 zu zählen, die der 2. Dirigent Fritz Altmann leitete.

 

 


Hermann Meißner -
Chorleiter 1924-1936


Nach dem Ausscheiden von Ferdinand Drost übernahm Kapellmeister Hermann Meißner, ebenfalls am Essener Stadttheater tätig, am 1.Oktober 1924 die musikalische Leitung des Sanssouci-Chores. Mit Chorleiter Meißner unternahmen die Sanssouci-Sänger die Fahrt in die Reichshauptstadt Berlin in den Tagen vom 25. bis 29. September 1925 mit den Empfängen bei Reichskanzler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. Stresemann.


1925 Sängerreise nach Berlin, Bild mit Reichsaußenminister Dr. Stresemann

 

Diese Sängerfahrten waren wohl die bedeutungsvollsten, die von der Sanssouci bisher unternommen worden waren. Und mit Hermann Meißner begann für den Chor ein für die damalige Zeit einmaliger Aufstieg, der durch Felix Heinrich Plöger, der ab 22. Januar 1928, nach dem Tod des 1. Vorsitzenden Kommerzienrat Wilhelm Beermann am 29.Mai 1927, den Vorsitz im Verein übernahm, seine Krönung fand.


1928 Chorprobe mit Hermann Meißner im oberen Saal der Börse, Haus der Technik


1930 Chor auf dem Burgplatz


1930 Großes Freikonzert auf dem Burgplatz

 

1935 verlässt Hermann Meißner wegen beruflicher Veränderung Essen. In Hans-Dieter Kindler wird nach einigen vergeblichen Versuchen ein neuer Dirigent gefunden. Doch kurz darauf bricht der Zweite Weltkrieg aus und unterbricht das Chorleben.


H
.D. Kindler - Chorleiter 1936-1946


In den Bombennächten ab 1943, als auch der Städtische Saalbau in Schutt und Asche fiel, verbrannten über 80 Jahre Vereinsgeschichte mit allem, was sich aus solch langer Tradition an Sängersymbolen angesammelt hatte, einschließlich des umfangreichen Notenschatzes. In der Endphase des Krieges, als unsere Heimat mehr und mehr selbst Kampffeld wurde, hörten auch die Zusammenkünfte der letzten Getreuen auf. Nach der Besetzung von Essen gab es keinerlei Vereinstätigkeit mehr. Alle Zusammenkünfte von Vereinen, mochten sie auch nicht das Geringste mit der Vergangenheit zu tun gehabt haben, hatten die Sieger verboten.

 

Praktisch war damit die Sanssouci tot wenn, ja wenn nicht der alte Sanssoucigeist noch lebendig geblieben wäre. Es war nicht leicht, Verbindung untereinander zu finden, da durch die Umsiedlung der Bevölkerung aus den zerstörten Wohnvierteln noch jeder Aufenthaltsnachweis fehlte. Aber gelegentlich trafen sich doch einmal Freunde aus vergangenen Tagen.

Copyright © 2015 Essener Männerchor Post Sanssouci.
Alle Rechte vorbehalten.