Essen im Jahre 1860 -Ein Städtchen mit etwa 20.000 Einwohnern -, das beginnt, aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen. Die Zechen wachsen ringsum und Krupp mit seinem Stahl macht in der Welt von sich reden. Wo Kohle gefördert wird, entwickeln sich auch andere Industriezweige. Das Ruhrrevier gewinnt an Bedeutung und Essen wird sein wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt.

Da wurde nach des Alltags Müh und Arbeit der Feierabend noch richtig gepflegt. Man traf sich in den vertrauten Kneipen, die zum Teil noch Hausbrauerei betrieben. Am Stammtisch wurden die Geschichten des Tages gebührend diskutiert.

 


Das Gründerhaus der Sanssouci


Die Überlieferungen aus unserer Vereinsgeschichte berichten von einer Gruppe junger Essener, die Ende der fünfziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts im Lokal von Friedrich Böhmer, später Halfmann, an der Rottstrasse ihre Zusammenkünfte abhielten. Seit 1846 machte der heutige Essener Männer-Gesangverein von sich reden. Und so kreisten die Gedanken an diesem Stammtisch um die Idee, einen Quartettverein zu gründen, wie man es seit den dreißiger Jahren verschiedentlich versucht hatte. Sanges- und musikfreudig waren die Essener schon damals. Das hatten sie bereits in der Schule mitbekommen und die Lehrer standen in vorderster Reihe, wenn es galt, den Dirigentenposten in einem Gesangverein zu besetzen. Die Idee wurde Wirklichkeit: Am 29.Juni 1860, dem Peter- und Paul-Tag, beschlossen 14 Mitglieder die Gründung eines neuen Männerchores.

 


Dr. Jordan Gottschalk                    Wilhelm Ruloff

 

Einer von ihnen war der 16jährige Jordan Gottschalk, der spätere Sanitätsrat Dr.Gottschalk, lange Zeit Ehrenvorsitzender des Vereins. Ein Name war auch bald gefunden: „Sanssouci“ hatte Jordan Gottschalk vorgeschlagen. „Ohne Sorgen“, so hat er seinen Vorschlag sicherlich begründet, sollte man sich gemeinsam dem Lied widmen und dem deutschen Volksgut huldigen. Und ohne Sorgen wollte man sein bei den Zusammenkünften. Der Name „Sanssouci“ fand Anklang und so nannte man sich „Gesellschaft Sanssouci zu Essen“. Bald führte die Überlegung, Sinn und Zweck der neuen Vereinigung schon am Namen zu erkennen, zu der Bezeichnung „Gesangverein Sanssouci“ und noch etwas später zum „Männergesangverein Sanssouci zu Essen“.

Es muss nach den heutigen Begriffen eine recht idyllische Zeit im Verein gewesen sein in den ersten Jahren nach der Gründung. Jeden Monat eine Versammlung, Ballotage genannt, mit Mitglieder-aufnahme und Bekanntgabe der Austritte. Dazwischen wurde kräftig geprobt und so konnte sich die junge „Sanssouci“ am 24.Oktober 1862 erstmals in der Öffentlichkeit zeigen, als die Essener Gesangvereine zu Gunsten der beiden heimischen Krankenhäuser ein Wohltätigkeitskonzert gaben. Ein Jahr später, genau am 26.Juli 1863, folgte das erste öffentliche Konzert auf dem Sessenberg. Heute würde man diese Veranstaltung als Open-air-Konzert bezeichnen. In den alten Niederschriften ist von „viel Regen“ zu lesen, der dieses erste Konzert fast ins Wasser fallen ließ. Doch schließlich konnte es doch noch zur vollen Zufriedenheit aller stattfinden.

Der Bann war gebrochen, der erste Schritt in die Öffentlichkeit getan. Es folgten in den kommenden Jahren viele Auftritte, die dem Namen „Sanssouci“ in Essen, aber auch über die Grenzen hinweg, zu einem klangvollen Namen verhalfen.

Bewegt wie die Zeit ist auch die Vereinsgeschichte der Sanssouci. Mehrere Kriege erschütterten seither unser Land und forderten auch von unserem Verein viele Opfer. Seuchen und Epidemien (1867 wütete in Essen die Cholera), Wirtschaftskrisen, Inflationen und Erschütterungen haben schwere Schäden angerichtet, haben den Verein ins Trudeln gebracht, aber nicht umwerfen können.

M
it der Festigung des im Anfang der 60er Jahre noch etwas sehr unruhigen Vereinswesens nahm auch die Aktivität des Chores stetig zu. Er beteiligte sich laufend an den zur damaligen Zeit üblich gewesenen Gesangwettstreiten in der näheren, auch manchmal weiteren Umgebung von Essen. Gelegentlich war auch einmal der Erfolg mehr oder weniger versagt, besonders wenn in der Dirigentenfrage eine Krise eingetreten war. Aber was machte das schon aus! Beim nächsten Male wurde die Scharte wieder ausgewetzt. Und wenn man dann lorbeer- und preisgekrönt wiederkehrte, war aller Kummer der Vergangenheit vergessen. Manche Trophäe aus solchen Wettstreiten in Gestalt von Pokalen, Trinkhörnern, Schalen und Plaketten zierte den üblichen Sängerschrank und Medaillen und Gold- und Silberkränze schmückten die Kronen unserer Vereinsfahnen.

Nach der großen Zeit der Wettstreite kamen die Jahre der Kaiserpreissingen in Frankfurt a. M., die vor dem ersten Weltkriege die Krönung der Wettstreite unter den größten Männerchören darstellten. An ihnen beteiligte sich die Sanssouci zeitweilig mit besonderem Eifer.

 


1903 Kaisersingen in Frankfurt


Seit Anfang an hat sich die Sanssouci immer freudig und bereitwillig in den Dienst der Allgemeinheit gestellt, besonders, wenn es galt, in Not geratenen Menschen und Volksgruppen damit zu helfen.

Im Ersten Weltkrieg gründeten die Daheimgebliebenen einen sogenannten Kriegsliebesdienst. Die kämpfenden Sangesbrüder wurden so auch an der Front vom Vereinsgeschehen unterrichtet und der Kontakt zur Heimat gehalten. Zum Gedenken an seine 34 gefallenen oder vermissten Sangesbrüder errichtete der Verein 1917 im Bernewäldchen ein steinernes Ehrenmal, das im Zweiten Weltkrieg durch Fliegerbomben zerstört, aber am 15. November 1953 nach der Wiederherstellung zum zweiten Mal der Obhut der Stadt Essen übergeben wurde.

 


Das Ehrenmal im Bernewäldchen

Geburtstage sind im Leben des Menschen Festtage. So auch im Verein. Da wurden die Jubiläumsfeiern zum 25. oder 50. Bestehen mit besonderer Gestaltung begangen.


1910 - 50 Jahre Sanssouci

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